Blühende Landschaften gibt es nicht zum Nulltarif.

Wer Artenvielfalt und Ressourcenschutz ernten will, muss die richtigen Anreize säen. Es ist höchste Zeit, dass Agrarsubventionen für Nachhaltigkeitsleistungen bezahlt werden. Denn Landwirt*innen sind nicht nur Betroffene und Mitverursacher*innen des Artensterbens und der Klimakrise – sie sind vor allem Teil der Lösung.

Gemeinwohlleistungen honorieren

Von den deutschen Landwirt*innen wird viel erwartet. Sie sollen unser Klima und unsere Ressourcen schützen, unsere Kulturlandschaft erhalten, Maßnahmen für mehr Artenvielfalt ergreifen und für auf besseres Tierwohl sorgen. Das Problem daran: Diese Leistungen sind nicht marktfähig. Sie müssen dauerhaft von Staat und Gesellschaft anerkannt und honoriert werden.

An dieser Stelle kommen wir ins Spiel. Wir geben der Politik ein Instrument an die Hand, um die Leistungen der Landwirt*innen für nachhaltiges Wirtschaften zu honorieren und dadurch den Brückenschlag zwischen der Landwirtschaft und den Erwartungen der Gesellschaft zu ermöglichen: die Regionalwert-Prämie. Sie erlaubt es, Agrarsubventionen auf Basis ehrlich erbrachter Nachhaltigkeitsleistungen zu vergeben, statt diese flächenbezogen zu verteilen.

Die Regionalwert-Prämie

Die Regionalwert-Prämie ist die derzeit geeignetste Methode am Markt, um die Gemeinsame Agrarpolitik und mit ihr die Direktzahlungen zu reformieren. Das bestehende System bevorzugt vor allem flächenstarke Betriebe und setzt keinerlei Anreize für dringend benötigte Nachhaltigkeitsleistungen. Die Regionalwert-Prämie ermöglicht eine Entlohnung kleinbäuerlicher, tier- und umweltgerecht wirtschaftender Betriebe. Denn diese Betriebe erhalten unsere Landschaft und schaffen Arbeitsplätze.

Die Regionalwert-Prämie ist das Ergebnis der Regionalwert-Leistungsrechnung. Diese berechnet anhand von ca. 300 Kennzahlen, welche gesellschaftlich erwünschten Leistungen der einzelne Betrieb für mehr Nachhaltigkeit im Sinne der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN erbringt. Das Ergebnis zeigt auf Euro und Cent genau, was die Betriebe in den Kategorien Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Klima und Wasser, Tierwohl, Fachwissen, Betrieb in der Gesellschaft, wirtschaftliche Souveränität und regionale Wirtschaftskreisläufe leisten.

Diese 300 Kennzahlen wurden in enger Abstimmung mit Landwirt*innen entwickelt. Aufgrund dieser großen Praxisnähe ist die Regionalwert-Prämie geeignet, Agrarsubventionen sozial und ökologisch wirkungsvoll zu verteilen.

Das Geld ist da.
Es wird nur falsch verteilt.

Obwohl die Europäische Union, die Bundesregierung und die Bundesländer zusammen rund 7 Milliarden Euro jährlich für die Agrarpolitik zur Verfügung stellen, befindet sich die deutsche Landwirtschaft in einer wirtschaftlichen und ökologischen Krise.

In Deutschland gab es im Jahr 2020 noch 263.500 landwirtschaftliche Betriebe. Das Höfesterben ist real. Und: die Klimakrise und das Artensterben sind real. In der Landwirtschaft sind viel zu lange die falschen Anreize gesetzt worden. Das muss sich dringend ändern.

Deshalb fordern wir: Die Regionalwert-Prämie muss die Basis für die Verteilung aller Agrarsubventionen in Deutschland werden! Wir benötigen eine Reform der Agrarpolitik. Weg von der Förderung von Fläche, hin zur Förderung einer naturnahen ländlichen Entwicklung. Hin zu einer Landwirtschaft, die gesunde Lebensmittel erzeugt und die unsere wunderschöne Natur erhält.

Kommunales Nachhaltigkeits­management ist der Game Changer.

Die Subventionen, die im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU an Landwirt*innen ausgeschüttet werden, sorgen laut Expert*innen kaum für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Selbes gilt für die deutsche Agrarpolitik, deren Nachhaltigkeitsbilanz mies ausfällt. Wenn supranationale Organisationen und nationalstaatliche Mechanismen gleichermaßen versagen, sind lokale Akteur*innen gefragt. Lokalpolitiker*innen haben im Rahmen der kommunalen Handlungsspielräume großen Einfluss auf folgende Fragen: Wie können kommunale Gelder an Nachhaltigkeitsleistungen gebunden werden? Wie müssen Pachtverträge mit Landwirt*innen ausgestaltet werden, um naturschonende Wirtschaftsweisen zu fördern? Was muss bei der Rückgewinnung und Pflege von Wegrändern als Lebensraum beachtet werden? Wie können Ausgleichsmaßnahmen gestaltet werden?

Gerne erarbeiten wir gemeinsam mit Ihrer Kommune ein Pilotprojekt, in dem wir diese Fragen gemeinsam klären. Im Rahmen dessen erarbeiten wir gerne basisdemokratisch in Workshops mit Ihnen sowie den Bürger*innen und Landwirt*innen, welche individuellen Anforderungen in Ihrer Gemeinde gelten sollten.