Nachhaltigkeit honorieren – die Zukunft des Ökolandbaus?

Die Verantwortlichen bei Neumarkter Lammsbräu wollen nichts weniger, als den Ökolandbau weiterzuentwickeln. Sie wissen: Die Unternehmensverantwortung beginnt auf dem Acker und endet im Glas. Und sie sehen sich mit der Frage konfrontiert: Wie kann das Unternehmen bewerten und beeinflussen, welche möglichen ökologischen, sozialen und regionalökonomischen Auswirkungen entlang seiner Liefernetzwerke entstehen? Um diese Frage zu beantworten, startete im November 2021 ein gemeinsames Pilotprojekt zwischen Neumarkter Lammsbräu und Regionalwert Leistungen, dessen Ergebnisse nun vorliegen.

851.199 Euro erbringen die Betriebe gemeinsam an Nachhaltigkeitsleistungen

Die 16 teilnehmenden Betriebsleiter*innen haben im Dezember 2021 zuhause am PC ihre Daten in unsere Online-Erfassungsmaske, die „Regionalwert-Leistungsrechnung“ eingegeben. Sie wurden zu ihren Maßnahmen für die Bodenfruchtbarkeit oder der Anzahl an Auszubildenden im Betrieb befragt und erhielten anschließend eine einzelbetriebliche Auswertung. Die kumulierte Auswertung aller Betriebe wurde im Februar gemeinsam mit den Landwirt*innen und den Verantwortlichen bei Neumarkter Lammsbräu besprochen. Dabei zeigte sich: Die Landwirt*innen schneiden in Summe überdurchschnittlich gut ab. Ein erbrachter Nachhaltigkeitswert in Höhe von 851.199 Euro und ein Nachhaltigkeitsgrad von 72 Prozent kann sich wirklich sehen lassen!

12 der 16 Betriebe liegen über dem Regionalwert-Durchschnitt

Im Vergleich zu allen Betrieben, die die Regionalwert-Leistungsrechnung bisher angewendet haben, liegen lediglich vier der Betriebe aus der Pilotgruppe unter dem Schnitt von 68 % Zielerreichung, zwölf Betriebe liegen darüber. Besonders gut schnitten die Betriebe mit Blick auf den Nachhaltigkeitsgrad in den Kategorien Beschäftigungsverhältnis und Arbeit, regionale Wirtschaftskreisläufe und Klima & Wasser ab. Besonders hohe Investitionen hatten sie im Bereich Bodenfruchtbarkeit. Einen weniger zufriedenstellenden Nachhaltigkeitsgrad erreichten die Betriebe in der Kategorie Betrieb in der Gesellschaft. Dies ist jedoch in Teilen auf die Coronapandemie im Jahr 2020 zurückzuführen.

Der durchschnittliche Betrieb leistet viel für das Gemeinwohl

Der durchschnittliche Betrieb innerhalb der Pilotgruppe erbrachte 53.199,94 Euro an Nachhaltigkeitsleistungen im Jahr 2020. Sein Zielerreichungsgrad lag bei 72 %. Für die einzelnen Kategorien bedeutet das:

  • Soziales: 5.220,19 Euro
    • Fachwissen: 2.314,25 Euro
    • Betrieb in der Gesellschaft: 2.905,94 Euro

  • Ökologie: 39.852,87 Euro
    • Bodenfruchtbarkeit: 16.495,00 Euro
    • Biodiversität: 9.823,31 Euro
    • Klima & Wasser: 6.793,56 Euro
    • Tierwohl: 6.741,31 Euro

  • Regionalökonomie: 9.126,75 Euro
    • Wirtschaftliche Souveränität: 6.059,06 Euro
    • Regionale Wirtschaftskreisläufe: 3.067,69 Euro

Die Leistungsrechnung soll als Grundlage für eine faire Entlohnung dienen

All diese Leistungen erbringen die Landwirt*innen unentgeltlich – sie sehen dafür keinen Cent.  Für Neumarkter Lammsbräu ist daher klar: Die Regionalwert-Leistungsrechnung soll in Zukunft dabei helfen, ihre Abnahmepreise an die Leistungen der Landwirt*innen anzupassen. Damit schafft das Unternehmen die langfristige Grundlage für eine noch gerechtere Entlohnung von Bio-Landwirt*innen, bei der nicht nur Rohstoffqualität und -menge eine Rolle spielen, sondern auch alle anderen Leistungen, die die Landwirt*innen für die Umwelt und Gesellschaft erbringen.

2022_04_01_Neumarkter_Tageblatt_Lammsbräu_ermittelt_Mehrwert_von_Bio